Donnerstag, 31. Oktober 2013

Was eine Fernbeziehung mit sich bringt

Wir schreiben den 18.10.2013, 11:47 Uhr, Malcesine, Lago di Garda, Italia.
Ich bin auf dem Weg zur Bushaltestelle, über der rechten Schulter meine Handtasche mit allen überlebenswichtigen Untensilien, über der linken ein großer Beutel voll mit Gastgeschenken, Proviant und einem Bruchteil meiner Garderobe.
Die Anzeige an der Bank misst 34°C, gefühlt sind es aber nur knapp 20°C.
Etwas weiter rechts strahlt mich ein hellblauer Himmel über schneebedeckten Bergspitzen an. Der scheint zu wissen, was heute für ein Tag ist. Nur meine Gefühlswelt scheint das noch nicht mitbekommen zu haben. Liegt es an der langen Fahrt, die noch vor mir liegt? Oder an den vielen Umstiegen, die gerade in Italien immer mit Risiken verbunden sind?
Wochenlang, monatelang habe ich auf diesen Tag zugefiebert, habe jeden Tag gezählt und Maria mit meinem Countdown genervt.
Jetzt ist der Tag da, der Countdown ist auf 0. Aber wo bleibt das Feuerwerk? Sollte ich nicht explodieren vor Vorfreude und lachend zum Bus hüpfen? Warum ist der Himmel blau und nicht rosa?

13:39 Uhr, Rovereto, Italia.
Die Busse liegen hinter mir. Vor mir liegen - wenn alles glatt läuft - gut 2 Stunden Aufenthalt in Rovereto und 2 Züge, die mich in Gemeinschaftsarbeit nach Traunstein bringen.
Und dann? Dann sehe ich nach 12 nicht enden wollenden Wochen endlich meinen Freund wieder. Der Augenblick rückt näher, es fehlen nur noch 7 Stunden. Und immer noch dieses Gefühl von Unwirklichkeit. Wann verwandelt es sich endlich in Vorfreude?
Die Temperaturanzeige hier steht auf 16°C, aber die Sonne scheint mir angenehm warm auf den Rücken und lässt mich daran zweifeln, ob ich wirklich Pullover und Jacken in Deutschland brauchen werde.
Gerade kamen 6 Durchsagen unmittelbar hintereinander, um über verspätete Züge zu informieren. Wer sich also über die Deutsche Bahn beschweren möchte, sollte vorher eine Weile in Italien gelebt haben.

17:38 Uhr, irgendwo in Südtirol, 2 km vor Österreich, Italia.
Noch gut 3 Stunden, dann ist die planmäßige Ankunft in Traunstein. Zugegeben, meine übersprudelnde Vorfreude hält sich noch immer in Grenzen, aber es hat sich tiefe Zufriedenheit breitgemacht. Das hat scheinbar auch mein Sitznachbar mitbekommen, der mir spontan Kaffee und Telefonnummer anbot, was ich selbstverständlich beides dankend ablehnte.
Draußen rauschen Berge vorbei, teils bewaldet, teils schneebedeckt. Sobald ich diese hinter mir gelassen habe, bin ich angekommen!

18:44 Uhr, Innsbruck, Österreich.
Noch genau 2 Stunden und bei jedem Blick auf die Uhr zieht sich mein Magen vor Aufregung zusammen.
Draußen ist es schon erstaunlich dunkel, es sind nur noch Umrisse und die Lichter der Häuser auszumachen. Es ist fast Vollmond, er ist hinter einer dünnen Wolkenschicht zu erkennen. Meine Reiselust und mein Sitzfleisch haben sich soeben in ihren wohlverdienten Feierabend verabschiedet. Mal schauen, wie ich ohne die beiden auskomme…

20:34 Uhr, 10 min vor Traunstein
Bin zu aufgeregt zum Schreiben!

Kurzfassung
An diesem Wochenende haben es Rike und Maxi möglich gemacht, dass ich Mock in Traunstein bei München treffen konnte. Es war wunderschön und unvergesslich. Vielen Dank dafür!

1 Kommentar:

  1. Traunstein liegt näher am Chiemsee (bei Rosenheim) als an München.
    Aber haben wir gern gemacht bzw. haben seine Eltern gern gemacht. Wenn's wieder mal so klappt ;)
    Das schöne Wochenende hat wohl jeder so empfunden :)

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