Donnerstag, 24. Juli 2014

"Miss Johaana, Miss Johaana!"

So in etwa klingt es, wenn die Kinder meiner Gastfamilie in Springfield, PA nach mir rufen. Ich sehe mich dann entweder mit Schürzchen und Haube, eine Kerze in der Hand, die steile Treppe zu meinem Schlafgemach im nächtlichen London des 18. Jahrhunderts erklimmen oder mit strengem Dutt und Zeigestock den Kindern das 1x1 und Benimmregeln einbläuen.
Glücklicherweise entspricht keine meiner Vorstellungen der Wirklichkeit: Wir leben im 21. Jahrhundert, wenn auch ganze 6 Stunden nach Deutschland, wir befinden uns in Springfield nahe Philadelphia, die Treppe ist nicht steil und ich trage weder Schürzchen, noch Haube, noch einen Zeigestock. Zudem sind die 4 Mädchen zwischen 1 und 7 Jahren sehr gut erzogen, wie es sich für eine lutherische Pfarrersfamilie gehört ;-)
Hier ein paar wissenswerte Fakten, die ich in meiner kurzen Zeit hier sammeln durfte:

  • Nutella - das wichtigste zuerst - ist dreimal so teuer wie in Deutschland und schmeckt wie Billig-Schokoladenaufstrich.
  • Amerikanische Trucks, die ähnliche Maße wie ein VW-Bus haben, fühlen sich im Vergleich zu selbigen wie Panzer an. Kennt ihr das, wenn man nach einer Kurve das Lenkrad los, äh locker lässt, damit sich die Räder von alleine wieder gerade stellen? (Ich weiß, Papa, das sollte man aus Sicherheitsgründen vermeiden, aber ... mir fällt gerade kein anderer Grund ein, als dass es so viel bequemer ist!) Versucht das mal mit einem Truck: Pustekuchen. Wenn ihr das Lenkrad nicht aus eigener Kraft zurückdreht, fahrt ihr endlos im Kreis.
  • Nicht alle Haushalte haben in jedem Raum einen Fernseher. Dafür - und das halte ich für wesentlich sinnvoller - verfügt jeder Raum über Klimaanlage und/oder Ventilatoren, die die schwül-heiße Luft nach draußen verbannen, wo diese dann geduldig auf euch wartet, um euch beim Öffnen der Tür mit voller Wucht ins Gesicht zu schlagen. Böse Luft? Seid ehrlich, ihr würdet das doch auch tun, wenn ihr den ganzen Tag dort draußen braten müsstet ;-)
  • Amerikanische Shops haben - abgesehen von bezahlbarer UND guter Schokolade - alles. Bastel-, Back - und Kochkram, bei dem du zum Großteil erstmal die Verwendung googlen musst, Urwälder aus unechten Pflanzen und Blumen, zwanzig verschiedene Sorten Toastbrot, lebendige Hummer, riesige Barbecue-Grills mit Zubehör, ein komplettes sechsstöckiges Regal voll mit verschiedenen Tomatensoßen, etc.
  • Der öffentliche Personennahverkehr ist zumindest hier im städtischen Bereich weder überteuert noch unpünktlich. Im Gegenteil: man kommt sehr sicher und günstig von A nach B, solange man nicht zu ungünstigen Zeiten durch ungünstige Viertel fährt, was ich selbstverständlich tunlichst vermeide.
Der Familienpanzer ist zurück vom Zahnarzt, es wird also gleich wieder... aahhh "Miss Johaana!!" I'm coming!

Montag, 14. Juli 2014

Fliegen kann sooo schön sein!

Wo fange ich an... vor genau einer Woche war die Hochzeit meiner besten Freundin in Berlin. Bis zu diesem Tag war mir nicht bewusst geworden, was mir nur einen Tag später bevorstand. Nicht nur, dass ich zum ersten Mal alleine einen Ozean überqueren würde, um für knapp drei Monate in eine unbekannte Welt einzutauchen. Sondern auch, dass ich die Familie kennen lernen würde, die möglicherweise bald meine eigene wird.
"Reden ist Silber...": Am Flughafen vertrieb ich mir die Zeit und die Nervosität u.a. durch Small-Talk mit einer Mitarbeiterin am Check-In. Ergebnis: Ein Fensterplatz direkt an einer der Tragflächen! Neben mir eine junge Amerikanerin, die sehr gut Spanisch und ein paar Brocken Deutsch sprach. Mit zwei Stunden Verspätung hoben wir von einer frisch geduschten Startbahn gen New York ab. War es unter den Wolken noch düster gewesen, so schloss die Hälfte der Fluggäste aus Angst vor (Ver)Blendung über den Wolken ihr Fenster. Nach einigen Luftlöchern, Schaukeleien und Salti offerierte man uns die lang ersehnte erste Mahlzeit an Bord. Bestellt wurde auf Englisch. Anschließend waren die Getränke an der Reihe. Bestellt wurde auf Deutsch. So lief das für etwa acht Stunden. Unsere arme Hostess weiß wahrscheinlich bis heute nicht, welche Sprache wir sprechen... Zwei Filme und ein paar Musikalben später ließen wir die Wolken hinter uns und nahmen Kurs auf die Landebahn vom JFK Airport New York. Praktischerweise hieß das, einmal komplett um die gegen 9:30 pm hell erleuchtete Stadt zu fliegen. Natürlich zu meiner Seite gekippt, sodass die Ladefläche die Häuser New Yorks zu streifen schien. Magische Momente, die ich mit meiner ebenso begeisterten Sitznachbarin teilen konnte.
Gelandet, gewartet, ausgecheckt, gewartet, Koffer gefunden, Mock gefunden, mit Mock und seiner Mom nach Hause gefahren, gegen 2:00 am ins Bett gegangen. 23 Stunden wach gewesen.